Karakachan?
…
Oder der bulgarische Hirtenhund
Foto: Zlatko Dinov
Einleitung
Sicher
ist der Hirtenhund aus Bulgarien ein richtig großer Exot unter den vielen
Hirtenhunden aus aller Herren Länder. Denn bei ihm sind sich die tatsächlichen
und selbsternannten Experten noch nicht mal sicher und einig, wie diese Rasse
denn nun heißt, oder wie man sie richtig schreibt.
Daher biete ich mal
verschiedene Namen an und auch die verschiedenen Schreibweisen der Rasse. Als
da wären: Karakatschan oder Karakachan. Oder auch Karakachansko Kuche, auf Englisch: Karakachan Dog. In einem Artikel fand ich den Namen: Sarakatsániko
Schäferhund oder Sarakatsaniko Tsopanóskilo.
Und Nicholay Atanassov,
der bulgarische Kynologe schreibt:
“ … Unsere Rasse -
Bulgarischer Hirtenhund, bestehe ich exakt auf diesen Namen.“
Und um die Verwirrung
komplett zu machen, die Hunde werden auch als bulgarischer Poimenikos
bezeichnet, was aus dem griechischen übersetzt dann aber auch nichts anderes
als bulgarischer Schäferhund heißt.
Bulgarischer
Hundenebel
Foto:
Nicholay Atanassov
In dieses „Dickicht“,
oder in diesen Nebel will ich mal Licht bringen, soweit dies überhaupt möglich
ist. Denn immer wieder findet sich ein und dasselbe Ereignis in der Abstammung
und Geschichte der Rasse sehr unterschiedlich interpretiert.
Aber der bulgarische
Hirtenhund ist noch aus einem anderen Grunde eine absolute Ausnahme unter den Hirtenhunderassen, er ist im
deutschsprachigen Raum nahezu nicht anzutreffen, es gibt praktisch keine
Literatur über ihn und das wenige, was bisher über ihn veröffentlicht wurde,
ist äußerst mager, meistens abgeschrieben und stimmen tut es sehr oft auch
nicht.
so
fängt es an
Foto:
Nicholay Atanassov
Abstammung:
Vor Jahren erzählte mir
ein Grieche, es gäbe in Bulgarien eine kleine Volksgruppe, die betreibe seit
Jahrhunderten Viehzucht und halte deswegen natürlich auch Hirtenhunde und damit
seien sie wahrscheinlich die „Erfinder“ des bulgarischen Hirtenhundes. Der Name
dieses Volkes: Karakatschani.
Was ein richtiger Bulgare
ist und dann auch noch einen Hund aus dem Land hält, wird heftig protestieren
und das nicht mal zu Unrecht.
Von wem aber stammen dann
die Hunde ab?
Und auf diese Frage gibt
es eine ganze Reihe von Antworten mit einem Nachteil, sie stimmen so meistens
nicht und wurden leider wieder einmal von Anderen abgeschrieben. Über die
Herkunft fand ich zum Beispiel die folgenden Zeilen:
„ … Der Karakachan (auf
Bulgarisch "Karakachansko Kuche") ist eine sehr alte Rasse. Sein
Stammbaum reicht zu den Hirtenhunden der antiken Thraker sowie zu den
Herdenschutzhunden der Proto - Bulgaren zurück, einem Volksstamm, der von den
Hindukusch - und Pamirgebirgen Zentralasiens auf den Balkan einwanderte.“
Foto: Veselin Paunov
Damit hätten wir mal zwei
„Vorfahren“, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten. Nämlich die
Hirtenhunde der antiken Thraker, die unter anderem das heutige Griechenland
bewohnten und die Hunde der Proto - Bulgaren, die angeblich und erst viel
später aus Zentralasien einwanderten.
Leider schreiben die
Quellen nicht, wann das gewesen sein soll und daher zweifele ich die Proto-
-Bulgaren an. Nicht die Menschen, denn sie sind sozusagen sehr wohl die
„Urbulgaren“, sondern deren Hunde. Denn wenn diese sich aus den Tiefen
Zentralasiens auf eine Art Völkerwanderung machten, mussten sie durch eine
ganze Menge von besiedelten Gebieten und in denen gab es Nutztiere und Hunde.
Und da diese Wanderung sicher länger als ein heutiger Urlaub gedauert hat,
brachten sie ganz sicher nichts „Ursprüngliches“ aus ihrer alten Heimat mit und
wenn, dann höchstens stark abgewandelt.
12.03.2005 Beograd - Representation the
breed in FCI Meeting
Quelle:
Nicholay Atanassov
Zur Erinnerung daher noch
mal ein Gedanke aus unserem Kapitel „Geschichte der Hirtenhunde“. Darin schrieb
ich, die Hunde wanderten - natürlich zusammen mit den Nutztieren - von
Mesopotamien aus über Griechenland in das weitere Europa und veränderten sich
auf diesen Wanderungen immer dann, wenn es die örtlichen Gegebenheiten
erforderten. Oder wie Erna Mohr sinngemäß schrieb, die Bedürfnisse machen den
Hund aus.
Also ist eine Abstammung
von Hunden aus dem heutigen Griechenland natürlich überhaupt nicht abwegig,
auch wenn die Angehörigen der verschiedenen Völker auf „ihren Rassen“ bestehen.
...
Und ewig ziehen die Herden
Foto: Zlatko Dinov
Zurück zu den Thrakern
und über die findet man auch so manchen „Unsinn“. Auszug aus einer
Veröffentlichung:
„ … Die Ursprünge des
Karakachan reichen wie gesagt bis zu den Thrakern zurück, den ersten zur Gruppe
der Indoeuropäer gehörenden Bewohnern des heutigen bulgarischen Territoriums.
Die Thraker waren bekannt für ihre zahlreichen Schafherden.“
Obwohl ich mit diesen
noch nicht gesprochen habe, bin ich mir sicher, auch sie hatten neben der
Haltung von Nutztieren noch andere Beschäftigungen. Das ich da nicht so falsch
liege, bestätigt die gleiche Quelle indirekt, denn dort heißt es weiter:
„ … Ende des dritten,
Anfang des zweiten Jahrtausends vor Christus hatten die Thraker aufgrund des
Handels mit Westanatolien begonnen, den Einsatz von Tieren in der
Landwirtschaft zu differenzieren. Zu dieser Zeit kam es wahrscheinlich zu
Kreuzungen der lokalen Hundeschläge mit alten Mastiffrassen und Hirtenhunden
asiatischen Ursprungs; der Grundstein für eine neue regionale Form von
Herdenschutzhunden war gelegt. Noch heute kann man Abbildungen dieser Hunde auf
dem Goldschmuck der Thraker sehen. Während des 6. und 7. Jahrhunderts nach
Christus besiedelten die ersten Bulgaren zusammen mit ihren Nutztieren und
Hunden die Balkanhalbinsel. Auf ihrer Wanderung vom Ursprungssiedlungsgebiet im
Hindukusch ließen sie sich kurzfristig (420-660) auch im Nordkaukasus nieder.“
Das
Balkan – Gebirge
Foto: www.airmuek-reiseberichte.de/bulgarien.htm
Ausgeschlossen wäre das
nicht, denn die Thraker sind kein geschlossenes Volk, in einer Quelle stehen
die folgenden Sätze:
„ … Seine Wurzeln sollen bis zu den Thrakern,
eines der ältesten und größten indoeuropäischen Völker, die Südosteuropa und
Teile Kleinasiens besiedelten, zurück reichen. Die etwa 90 namentlich bekannten
Stämme der Thraker hatten ihren Lebensraum zwischen dem heutigen Istanbul und
der bulgarisch - serbischen Grenze, wobei der Lebensmittelpunkt das heutige
Bulgarien war.“
Und damit wären wir mal
wieder bei einer der alten, falschen und leider nicht ausrottbaren Legende,
nämlich den Kreuzungen mit alten Mastiffrassen. Die aber kommen als Vorfahren
egal welcher Hirtenhunderassen absolut nicht in Frage, denn Hirtenhunde gab es
lange vor den Hunden, die wir heute als Molosser oder Mastiff bezeichnen.
Foto: Veselin Paunov
Und weil die Karakachanen
durch alle Seiten geistern, muss eine Verbindung zu den Thrakern hergestellt
werden und das liest sich dann so:
„ … Seinen Rassenamen verdankt der Karakachan den gleichnamigen
nomadisierenden Schafhirten. Auch sie waren Nachfahren der Thraker. Im Sommer
grasten ihre Herden in den bulgarischen Bergen, im Winter entlang von
Mittelmeer und Schwarzem Meer. So konnten die Herden zu allen Jahreszeiten
versorgt werden. Aufgrund ihrer konservativen Zuchtmaßnahmen blieben das
rauwollige Zackelschaf sowie primitive Pferdeschläge in Europa erhalten. Diese
Viehzüchternomaden und ihre Bedürfnisse spielten eine wichtige Rolle in der
Selektion von Herdenschutzhunden; Hunde, die viele und spezifische
Anfordernisse erfüllten. Aufgrund seiner perfekt angepassten
Arbeitsqualitäten wurde der Karakachanhund bald in ganz Bulgarien gezüchtet.
Historische Quellen aus dem 19. Jahrhundert zufolge besaß ein Viehzüchter aus
dem Rhodopengebirge eine Schafherde von 12.000 Tieren, die er von 80
Herdenschutzhunden beschützen ließ.“

Im
Rhodopen
Foto: www.naturetravel.de
Na also, hier finden sich
dann eine ganze Reihe an Informationen und auch die sind abgeschrieben. Sicher
richtig ist, dass auch die Karakaschani aus dem alten Griechenland stammen,
aber ob sie mit den Thrakern verwandt sind, wage ich zu bezweifeln. Und auf die
angeblichen alten Nutztierrassen der Karakaschani komme ich noch. Und bei
dieser Gelegenheit soll mal wieder etwas wiederholt werden, was ich auch schon
an anderer Stelle geschrieben habe. Nämlich die Vergleiche der Abbildungen auf
irgendwelchen Schmuckstücken oder Wandmalereien, die angeblich Hirtenhunde darstellen, ist bestimmt Unsinn. Denn
Hirtenhunde waren viel zu unbedeutend, um zu so einer „Ehre“ zu kommen. Wer so
eine Abbildung mal wieder sieht, schaue genauer hin, die Künstler waren
vielleicht „Seher“ und haben Rottweiler und anderen kräftige Hunde dargestellt, obwohl es die noch gar nicht
gab, aber sicher keine Hirtenhunde.
Ein Witz ist dann
allerdings die Behauptung, ein Züchter aus dem Rhodopen habe im 19. Jahrhundert
seine 12 000 Schafe von 80 Hunden beschützen lassen und diese Behauptung findet
man immer wieder. Ganz am Rande sei gefragt, ob dieser Züchter seine Schafe
ständig zählte und ob es nicht auch mal 12001 gewesen sein können und drei
Hunde mehr. Und noch etwas kommt hinzu und damit wird dann diese Behauptung
vollends absurd. Auf dem gesamten Balkan gab es immer eine Milchwirtschaft, das
heißt, die Hirten und Schäfer hielten auch Milchschafe und deren Milch wurde
sofort an Ort und Stelle verarbeitet. Bei einer Herdenstärke von 12 000 Tieren
hätte man daher alleine für die Verarbeitung zu Käse und anderen
Milchprodukten eine „Heerschar“ von
Arbeitskräften benötigt. Also diese Mär einfach vergessen.
Auch
in der feinen Gesellschaft waren sie zu finden
Foto: Antoan Hlebarov
Aber um an die Abstammung
der bulgarischen Hirtenhunde und an deren Ursprünge heran zu kommen, ist es
wohl nötig, einen Ablauf der Besiedelung des heutigen Bulgariens zu schildern.
So meint endlich mal richtig Alexander
Andreev von der bulgarischen Redaktion der deutschen Welle in Bonn:
„ … Auf dem heutigen Gebiet Bulgariens lebten in der Antike die
Thraker und die griechischen Mazedonier. Ab dem 1. Jahrhundert nach Christi
wurde das Land von den Römern verwaltet. Im 7. Jahrhundert siedelten sich dort
slawische Stämme an, kurz danach kamen die Protobulgaren. Nach einem gewonnenen
Krieg gegen Byzanz entstand 681 das Erste Bulgarische Großreich – immerhin der
dritte anerkannte Staat auf dem Gebiet von Europa. Bis zum Jahre 1018, als
Bulgarien an Byzanz angegliedert wurde, erlebte der junge Staat einige
bemerkenswerte Ausweitungen, wurde christianisiert und begründete ein neues
Alphabet: das Kyrillische. Nach einer Unterbrechung von ca. 180 Jahre wurde das
Zweite Bulgarische Reich gegründet, das mit dem Vormarsch der Osmanen auf dem
Balkan im 14. Jahrhundert in mehrere Kleinstaaten zerfiel und schließlich an
das Osmanische Reich angegliedert wurde. Erst 1878, nach einem der
Russisch-Türkischen Kriege, wird die bulgarische Staatlichkeit
wiederhergestellt.“
Wichtig der Hinweis auf die „griechischen Mazedonier“, denn das
waren ganz sicher die Karakaschani, oder auch Sarakatsanen und den beiden
Bezeichnungen will ich ein Extrakapitel widmen.
Die Kirche Dryanovo
Quelle: Wikipedia
Nun stellt sich eigentlich nur noch die Frage, seit wann im
heutigen Bulgarien Hirtenhunde leben und damit wäre die Frage nach der
Abstammung geklärt. Siehe Alexander
Andreev, seit der Antike, also vor unserer Zeitrechnung und über ein paar Jahre
hin und her sollte man nicht diskutieren. Zumal es sehr unterschiedliche
Zeitangaben gibt. Im Bezug auf die Kultur der Thraker fand ich die folgenden
Sätze:
„ … Das Gold der Thraker und frühere Goldschätze: In
Bulgarien wurde das älteste bearbeitete Gold (vom 5. Jahrtausend vor Christi)
entdeckt. Die einmaligen Goldschätze der Thraker aus der Zeit nach dem 5.
Jahrhundert vor Christi bereisen die Welt als wandernde Ausstellung.“
Quelle: Wikipedia
Und sicher wäre damit, die Hunde stammen
aus dem ursprünglichen Siedlungsgebiet der damaligen Bewohner Bulgariens und
das ist eben der ganze Balkan und davor Kleinasien. Ob diese „Ureinwohner“
letztendlich aus Zentralasien einwanderten, oder nicht, ist sicher nicht von
Belang. Denn eine derartige „Völkerwanderung“ dauerte Jahrhunderte und in
diesen Zeiträumen verändert sich eine ganze Menge.
Der ganze Balkan ist deshalb wichtig,
weil die beteiligten „Völkchen“ sich nicht nur in Bulgarien niederließen,
sondern auch in Rumänien, Mazedonien und Griechenland lebten. Antike oder alte
Bezeichnungen wie Molotien, Ilirien oder der Epirus will ich hier weglassen, um
die Verwirrung nicht total zu machen.
Aber die Namen der beteiligten Völker
sind vielleicht wichtig, denn eines wurde neben den Karakatschani oder
Sarakatsani, den Mazedoniern und Griechen noch nicht erwähnt, die Aromunen.
Über die findet man übrigens ein Kapitel in der Rassebeschreibung des
Sarplaninac.
Aromunische Trachten
Quelle:
http://www.romanianmuseum.com/Romania/RomaniaEthnoAROMAN.html#RomaniaD
Das die Hirtenhunde Griechenlands und
Bulgariens sehr eng verwandt oder eigentlich ursprünglich der gleiche Hund sind,
kann man an einer reichlich abergläubischen Überlieferung erkennen, die in
beiden Ländern üblich war. Man schnitt nämlich den Hunden das rechte Ohr ab,
dadurch hörten sie angeblich besser und das erhöhte ihre Arbeitsfähigkeit, eben
Aberglaube.
Eines will ich mit der direkten
Abstammung des bulgarischen Schäferhundes von den Hunden aus Griechenland aber
keineswegs ausdrücken, nämlich dass diese eventuell minderwertig oder nur ein
„Abklatsch“ dieser seien. Es zeugt vielmehr von der „Schlauheit“ der dortigen
Hirten und Schäfer, egal zu welcher Volksgruppe sie gehören, dass auch sie die
Hunde solange verändert haben, bis sie in die bulgarischen Verhältnisse am
besten gepasst haben.
Einen Unterschied in den beiden Rassen
werde ich im Kapitel Charakter beschreiben, denn laut der Aussage einer ganzen
Reihe von Haltern und Besitzern gibt es da einen gravierenden Unterschied.
Foto: Antoan Hlebarov
Ganz im Sinne eines Ausschlussverfahrens
soll aber eine Abstammungstheorie auch noch behandelt werden, nämlich die vom
Do-khyi, denn auch die taucht im Zusammenhang mit dem bulgarischen Schäferhund
mal wieder auf. So fand ich in einer Übersetzung den Hinweis auf den „Tibeter“
als Vorfahr. Es ist schon „dramatisch“, für welche Rassen dieser „arme Hund“
verantwortlich ist. Damit aber nicht genug meint diese Quelle weiter, er sei
weiterhin aus den mongolischen Hirtenhunden Centralasiens, den beiden
türkischen Rassen Akbash und Kangal, sowie den Hirtenhunden aus der Tatra und
den Karpaten entstanden.
Von dieser ganzen tollen Verwandtschaft
kann man nur den rumänischen Carpatin gelten lassen, der Rest klingt
interessant, stammt aber aus den Geschichten aus Tausend und einer Nacht, ist
also „Blödsinn“.
Geschichte
Über die Abstammung des bulgarischen Hirtenhundes
war also einiges zu finden. Die Geschichte dieser Rasse aber liegt einige
Jahrhunderte in ziemlichem Dunkel. Erst im letzten Jahrhundert finden sich
wieder Aufzeichnungen. Woran aber liegt es, dass in einer derart langen Zeit
nichts an schriftlichen Überlieferungen vorhanden ist?
Die Antwort dürfte einfach sein. Auch diese
Hirtenhunderasse war eigentlich eine uninteressante Hundeart, sozusagen der
Hund der armen Leute und als reiner Arbeitshund für nichts anderes zu
gebrauchen.
Foto: Antoan Hlebarov
Die Hirten und Schäfer dieser Welt aber haben
ihre Erfahrungen zwar gesammelt und ausgetauscht, aber das geschah in
mündlicher Überlieferung. Da leider sehr viel von dieser alten Hirtenkultur
verloren gegangen ist, machte sich auch niemand die Mühe, all das
aufzuschreiben, was vielleicht noch in den Köpfen der Hirten und Schäfer
vorhanden war.
Erst mit Beginn des letzten Jahrhunderts tauchten
vereinzelt Aufzeichnungen über die Hunde auf. Und daher wissen wir erst seit
dieser Zeit wieder etwas über die Entwicklung der Rasse.
Am Anfang schrieb ich, der bulgarische Hirtenhund
sei ein wahrer Exot. Das trifft auch auf die Geschichte der Rasse zu. Denn
durch die politischen Verhältnisse in Bulgarien müsste die Rasse entweder
bereits ausgestorben, oder zumindest stark gefährdet sein.
Foto: Hristo Mikov
Und natürlich spielt in der Geschichte die
Namensgebung ein große Rolle. Damit also dieses Kapitel nicht zu umfangreich
und auch nicht zu kompliziert wird, werde ich die Namensgebung, also der Streit
um den Karakatschan, in einem Extrakapitel behandeln.
Einiges weniges ist aber doch zu finden, denn es
heißt über die Proto - Bulgaren, sie hätten es als „ein ernsthaftes Verbrechen“
angesehen, wenn ein Hund verletzt oder misshandelt wurde. Und man hätte den Hunden
Opfergaben geboten. Ob das allerdings stimmt, lässt sich nicht belegen.
Und wenn wir schon bei den Proto - Bulgaren sind,
sicher sind sie als diejenigen zu
sehen, die diese Rasse im Laufe vieler Jahre gefestigt haben. Ganz sicher kann
man behaupten, dass der bulgarische Hirtenhund mehr unter slawischem Einfluss
stand, was etwas verwundert, gehörte doch auch Bulgarien seit dem 14.
Jahrhundert zum osmanischen Reich und erst 1878 nach dem russisch - türkischen
Krieg wurde das Land wieder selbstständig.
Die Zeit bis zum 1.
Weltkrieg

Quelle: Wikipedia
Nachdem Bulgarien 1878 wieder selbstständig
wurde, regierte es als erster König der deutsche Fürst Alexander von
Battenberg. Nach seinem Rücktritt regierte Ferdinand von Sachsen - Coburg und
Gotha und dieser erklärte sich 1908 zum Zaren. In seiner Regierungszeit erlebte
der junge Staat einen bemerkenswerten wirtschaftlichen und kulturellen
Aufschwung.
Ferdinand
von Sachsen - Coburg und Gotha
Quelle: Wikipedia
Besonders der wirtschaftliche Aufschwung
bedeutete eine beginnende Industrialisierung und damit die Abkehr vom reinen
Agrarstaat. Und damit wurden die ersten „Totenglocken“ für die Viehwirtschaft
geläutet. Ähnlich wie in anderen Staaten des ehemaligen Ostblockes aber
gerieten die Hirten und Schäfer erst nach dem 2. Weltkrieg in Bedrängnis und
damit natürlich auch die Hunde. Aber man kann schon schreiben, dass diese
Industrialisierung einen Rückgang der Viehwirtschaft bedeutete.
Allerdings entdeckte das bulgarische Militär so
manch arbeitslos gewordenen Hirtenhund und so gibt es heute noch alte Fotos von
bulgarischen Hirtenhunden, die als Wachhunde für militärische Anlagen und als
Hunde der Grenzbeamten „arbeiteten“.
Foto: Antoan Hlebarov
Ende
der 50er Jahre begann die damalige kommunistische Regierung Bulgariens eine
generelle Verstaatlichung des landwirtschaftlichen Bereichs der Wirtschaft. Die
Schäfer und Hirten des Landes sahen ihre Herden verschwinden und daraus wurden
staatliche Viehzuchteinheiten gemacht.
Dieser
Prozess führte dazu, dass die Hirtenhunde und auch die Hütehunde unnötig
wurden. In einigen Regionen des Landes beschlossen die Behörden sogar, dass
Hunde getötet wurden. Und in der achtziger Jahren wurde regional der Versuch
unternommen, diese Hirtenhunde mit anderen Rassen (z.B. mit Bernhardinern,
Neufundländern) zu paaren, um sie besser als Wachhunde verwenden zu können.
Natürlich reduzierte sich durch diese Maßnahmen der Bestand an reinrassigen
bulgarischen Hirtenhunden.
Zum ersten Mal ist der bulgarische Hirtenhund
sozusagen „offiziell“ im Jahre 1938 in einem Artikel erwähnt worden. Dieser
erschien in einer deutschen Hundezeitung und die Rasse oder die Hunde wurden
als „Karakachan dog“ vorgestellt.
Heute leben die Hunde wieder in den Bergregionen
Bulgariens und gehen ihrer alten Beschäftigung nach, sie beschützen die Herden
vor zwei - und vierbeinigen „Räubern“ und das zur Zufriedenheit der Schäfer und
Hirten.
Foto: Ludmil Dobrev
In jüngster Zeit, propagiert durch die Arbeit der
Bulgarian Biodiversity Preservation Society SEMPERVIVA (Bulgarische
Gesellschaft zur Bewahrung der Artenvielfalt), der Karakachan Dog International
Association sowie einiger Züchter, nimmt die Zahl der Arbeitshunde wieder
leicht zu.
1994 wurde der Karakachanhund auf die Rote Liste
der in Bulgarien autochthonen Haustiere gesetzt. Sein Status wurde mit
„disappearing“ („verschwindend“) und „kritisch“ festgesetzt.
Foto: Nicholay Atanassov
Unterdessen kann der Bestand der Rasse auch ohne
die offizielle Anerkennung durch die internationalen Verbände als gesichert
angesehen werden, dank der Bemühungen und dem Interesse einer ganzen Reihe von
Züchtern und Liebhabern der Rasse. Und auch heute noch gibt es eine sehr große
Vielfalt von Typen in Bezug auf die
Farben, die Felllänge und die Größe. Eines haben sie gemeinsam und das ist ihr
Charakter und der kommt auch noch.
Übrigens wurde der Gedanke, die Herden wieder in
der alten Tradition mit den Hunden zu schützen, nicht sofort und mit
Begeisterung aufgenommen. Erst als die in - und ausländischen Organisationen,
die diese Projekte unterstützen, an die Schäfer und Hirten kostenlos Hunde
abgaben, stieg die Akzeptanz gegenüber den Hunden. Bis dahin hatte man es sich
einfach gemacht, man zahlte eine Abschussprämie für erlegte Wölfe.
So besonders erfolgreich war diese Methode nicht,
denn erst durch den Schutz der Hunde gab es weit weniger Verluste.
Foto: Nicholay Atanassov
Der Name
Seit
einigen Jahren ist der bulgarische Hirtenhund in Deutschland als Karakachan
oder auch Karakatschan bekannt. Nur ist dieser Name richtig?
Einige
im Land wehren sich gegen diese Bezeichnung und führen Gründe an. Zu ihnen gehört der bulgarische
Kynologe Nicholay Atanassov, er
schreibt über die Namensgebung:
„ …
Das
ist unsere nationale Herdenschutzhunderasse.
Eine Menge Leute kennen diese Rasse unter dem nicht korrekten Namen
"Karakachan Hund".
Und
weiter:
“ …
Ich habe einige Informationen über unsere Rasse zusammengetragen… In unserem
Land ist sie unter dem Namen Karakachan Hund bekannt, aber das ist ein und
dieselbe Rasse… Im Hinblick auf die Tatsache, dass der Bulgarische Hirtenhund
noch nicht gefestigt ist, und niemand eine ernsthafte Selektion mit ihnen
durchführt, gibt es eine sehr große phänotypische Vielfalt. Das ist die
Begründung von verschiedenen Erklärungen für zu viele Leute, aber das ist
falsch.
Über unsere Rasse -
Bulgarischer Hirtenhund, bestehe ich exakt auf diesen Namen, aus folgenden
Gründen:
Die Bulgaren sind ca. 600
- 680 n. Chr. auf den Balkan gekommen. Sie sind mit solch einem Typ Hund
gekommen und sie fanden Hunde ähnlichen Typs vor.
Die Karakachanen kamen
aus dem Gebiet des heutigen Griechenland.
Die Karakachanen
bezeichnen sich selbst als Verwandte der Griechen, wie gleichfalls eine Zahl
von anthropologischen Ergebnissen heutzutage das gleiche Ergebnis zeigt.“
Foto: Nicholay Atanassov
Wie aber kommt dann der
Name Karakachan zustande? Und dafür hat Nicholay Atanassov eine sehr einfache
Erklärung. Sie lautet:
„ … Als H. Peters über
die Hunde des Balkans schrieb, schrieb er: "Die Hunde, die von den
Karakachanen benutzt werden."
Leider ist es in der Bulgarischen Sprache grammatikalisch das gleiche wie
"die Hunde der Karakachanen".
Und einer der gossen Fehler begann in diesem Moment.
Einige Jahre später begann
ein Todor Gaytandjiev (welcher
kein Kynologe ist), einige bulgarische Hunderasse für die Jagd zu untersuchen.
Das war seine Arbeitsgrundlage, aber zusammen mit Jagdhunderassen schrieb er
auch über die Hirtenhunderassen, die von den Karakachanen benutzt wurden und
nannte diese Rasse "Karakachan Hund". Das ist der Anfang der
Geschichte mit dem Namen "Karakachan Hund".“
Foto: Nicholay Atanassov
An anderer Stelle liest
sich diese Meinung etwas ausführlicher:
„ … Vor einigen Jahren war diese Rasse in Bugarien (und
nun auch in größeren Teilen des Landes) nur als Hirtenhund bekannt.
Um
1970 - 1975 begannen unseren Printmedien über den Karakachan Hund zu schreiben.
Es stimmt, der Name "Karakachan" ist seit vielen Jahren bekannt, hat
aber einige Fehler.
Circa
1937 (im Augenblick weiß ich nicht genau wann) kam Hans Peters nach Bulgarien.
Er schrieb einige Reiseberichte über Bulgarien. Er schrieb auch über die Hunde
in Bulgarien. Karakachan Schäfer wanderten quer durch Bulgarien mit großen
Schafherden und in Begleitung von Hunden. Peters schrieb: "Ich nenne diese
Hunde "Karakachan Hunde", weil ich sie bei den Herden dieser Menschen
sah." Das ist der einzige "wissenschaftliche" Beleg, welchen
einige der Hundeleute in Bulgarien benutzen, die für den Namen "Karakachan
Hund" plädieren. Später wurde die Rasse in vielen unserer Zeitungen,
Magazinen usw. als "Karakachan Hund" populär. Aber hier sind einige
Punkte, die all diese "alten" Wissenschaftler ignorierten:
Die
Karakachanen kamen im 16. Jahrhundert von Griechenland nach Bulgarien. In
dieser Zeit existierte Bulgarien als unabhängiges Land seit 681. In all dieser
Zeit (über 1.000 Jahre) züchtete das bulgarische Volk Schafe (natürlich mit
Hunden), andere Tiere usw. …
In den
letzten Jahren kamen hier einige bulgarische Leute, die den Namen
"Karakachan Hund" bekannt machen wollen. Sie kommen mit Hunden und
sagen: "Das ist ein Karakachan Hund".
Das
Thema ist sehr kompliziert. Für mich ist das ein politisches und finanzielles
Geschäft mancher Leute.“
Foto: Nicholay Atanassov
Manchmal
aber kann man auch etwas mit ganz einfachen Mitteln erklären und so greift Nicholay Atanassov auf
alte Fotos oder Postkarten zurück, er schreibt:
„ … Die Menschen auf den alten Bildern sind Bulgarische
Soldaten. Das ist eine dokumentierte Tatsache, dass in der Zeit vor dem Ersten
Weltkrieg die Menschen Bulgarischer Hirtenhund sagten, und nicht
"Karakachan" Hund.“
Foto: Antoan Hlebarov
Daher
muss natürlich noch mal betont werden, dass die bulgarischen Kynologen sich
darin einig sind, die Rasse „Bulgarischer Hirtenhund“ zu nennen und diesen
Namen auch bei der FCI einzureichen in der Hoffnung auf internationale
Anerkennung.
Bulgarien war immer ein
christliches Land, das änderte sich auch nicht in den Zeiten, als das Land unter
dem Einfluss der Osmanen stand. Genauso übrigens wie Griechenland. Die
orthodoxe Kirche war stärker. Zwar gibt es auch heute noch eine muslimische
Minderheit, aber politisch hatte sie nie einen starken Einfluss.
Der Name Karakachan aber
wird aus dem türkischen abgeleitet und schon daher kann er eigentlich nicht der
richtige Name dieser Hirtenhunderasse sein. Nicholay Atanassov schreibt dazu in
einem Forum wohl eher aus „diplomatischen Gründen“ und weil der Name Karakachan
in Deutschland gebräuchlich ist:
„ … Ich denke wir können als
Begriff "Karakachan Hund" verwenden, aber der richtige Name ist
und muss sein „Bulgarischer Hirtenhund“. Unter diesem Namen ist die Rasse im
Bulgarischen Kynologischen Verband (Mitglied der FCI) registriert und im Moment
ist die Rasse Bulgarischer Hirtenhund "vorgemerkt" für eine
Registrierung bei der FCI.“
Aber
der Name Karakachan taucht auch noch im Zusammenhang mit anderen Tieren, z. B.
Schafen, Pferden und Ziegen auf und da fragt man sich dann schon, ob all diese
Nutztiere mitsamt den Hunden alles Rassen der Karakachanen sind. Wenigstens ich
habe da so meine Zweifel. Von diesen Haustierrassen später mehr.
Ohne bulgarischen Hirtenhund auch keine Weihnacht
Foto: Antoan Hlebarov
Der Standard
Anmerkung: Dieser Standard wurde von Herrn Nicholay Atanassov
verfasst, basierend auf seinen eigenen Recherchen über die Rasse „Bulgarischer
Hirtenhund“. Bis jetzt (Dezember 2006) ist diese Rasse von internationalen
Organisationen nicht offiziell anerkannt, so ist es unmöglich, über eine Art
von offiziell gültigem internationalen Standard zu sprechen. Zur Vorbereitung
dieses Standards sind die äußeren Merkmale von mehr als 200 Hunden verwendet
worden. Alle Daten sind statistisch verarbeitet worden.
Entgegen anderen Standards ist es Nicholay Atanassov wichtig, nicht
nur auf die äußeren Merkmale der Rasse hinzuweisen, sondern auch den Charakter
und die Verhaltensmuster dieser Rasse in den Standard einzubinden. Diese
Vorgehensweise ist zwar etwas ungewöhnlich, aber durchaus wünschenswert, denn
keine Hirtenhunderasse, die als Arbeitshund eingesetzt wird, sollte nach
optischen Kriterien bewertet werden. Das heißt, ein Hund, der seine Arbeit
zufrieden stellend erledigt, sollte natürlich die „erste Wahl“ sein gegenüber
einem optisch gerechten Hund.
Auch in der Kunst geht es nicht ohne ...
Foto: Antoan Hlebarov
Bulgarian Shepherd Dog -
Bulgarischer Hirtenhund
Ursprung:
Bis jetzt ist die Entstehung der molossoiden Hunde in unserem Land
unbestimmt. Von Zeit zu Zeit erscheinen in verschiedenen Druckerzeugnissen
Veröffentlichungen, welche in einem hohen Grade emotional ausgeschmückt sind,
sie grenzen gewöhnlich an Intrigen und dienen der Profilierung der Autoren,
ohne seriöse gut - fundierte Aussagen. Für diese nicht kleine Gruppe von
Hunden, die eng mit den Schafzucht - Traditionen der Bevölkerung der Balkan - Halbinsel zusammenhängt, gibt es
keine komplexen wissenschaftlichen Ergebnisse. Die wenigen ausführlichen
Veröffentlichungen basierten auf der Grundlage ihrer Seriosität bei kleinen
Auszügen, welche wenn sie veränderlich - statistisch erfasst wurden,
statistisch ungewiss blieben.
Verwendung:
Der Bulgarische Hirtenhund ist kein Hund für die Wohnung, welcher
auf dem Sofa liegt, in der lauten Stadt zwischen Menschen und Autos spazieren
geht, gern in Parks mit anderen "Kumpels" jedweder Art und Rasse
zusammen ist.
Der Bulgarische Hirtenhund besitzt bewiesenermaßen tatsächliche
Arbeitseigenschaften / Charakteristiken in Kombination mit einem stabilen
äußeren Erscheinungsbild. Dieser Hund verteidigt Tiere, schützt den Hof und
passt auf seinen Halter und seine Familie auf. Ein fehlender Schutzinstinkt ist
unerwünscht (oder unzulässig), denn
schlechter ist, wenn der Hund Angst vor den Nutztieren hat, oder gegen sie
aggressiv ist oder sie angreift. Im Laufe der Jahre wurde dieser Hund nach
seinem Vermögen, ohne Kommando zu beschützen selektiert - es ist schwierig
seine Attacken oder Bisse vorherzusehen.
Historisches Foto
Foto: Antoan Hlebarov
Wissenschaftliche,
systematische und wirtschaftliche (praktische) Klassifikation:
Um zu versuchen, die Rasse Bulgarischer Hirtenhund wissenschaftlich
zu klassifizieren, muss man von der Tatsache ausgehen, dass einige Unterschiede
im Erbgut - Schlüssel gegenüber dem Phänotyp bestehen, ähnlich der Rassen, die
in anderen Regionen der Balkan - Halbinsel weit verbreitet sind.
Unglücklicherweise wurden bis heute keine Untersuchungen in unserem Land
angestellt und alle Erklärungen wären Hypothesen, hätten keinen
wissenschaftlichen Charakter.
In seinem wirtschaftlichen oder praktischen Gebrauch ist der
Bulgarische Hirtenhund zweifellos der Kategorie "Schutzhunde"
zuzuordnen. Seine Auswahl, Stellung und Arbeitsnatur definiert ihn als
"Hirtenhund".
Rasse:
Dieser Hund ist in seiner natürlichen Umgebung entstanden -
Schafherden, unter dem Einfluss von natürlichen und klimatischen Faktoren.
Charakter:
Handelt in seinen Verteidigungsreaktionen erfolgreich.
Aggressivität ist nicht stark ausgeprägt, aber die Hunde können zu gleicher
Zeit zurückhaltend in ihrer Haltung gegenüber Feinden sein und Abstand
demonstrieren, indem sie mit Knurren warnen und eventuell angreifen. Gegenüber
Raubtieren, oder Beutegreifern, oft auch gegenüber Hunden, erhöht sich die Aggressivität (od.
Verteidigungsbereitschaft). Der Bulgarische Hirtenhund ist lebhaft, leicht an
seine Umgebung anpassungsfähig, reagiert richtig in Situationen, in welche er
verwickelt wird. Gegenüber seinem Halter oder Führer demonstriert er
Unterwürfigkeit und Treue. Er nimmt seine Umgebung wahr über seinen Geruchs -,
Gehör - und Gesichtssinn, welche sehr gut ausgeprägt sind.
Körperbau und
Eignungsmerkmale:
Der Veranlagung entsprechend, ist der Hund überwiegend eine
Kombination des starken -robusten Typs. Seine Knochen sind stark, robust und
massiv. Seine Muskeln sind gut entwickelt und ausgebildet. Das Fell ist dicht,
nah am Körper, lockerer am Nacken.
12.03.2005 Beograd - Representation the
breed in FCI Meeting
Quelle:
Nicholay Atanassov
Kopf:
Der Kopf des Bulgarischen Hirtenhundes ist typisch molossoid. Er
weist weder das raue Oval der Mastiff typischen Hunde auf, noch zeigt er stark
gerundete Wangenknochen. Massiv, breit und rund in leicht ovaler Kopfform. Der
Oberkopf, von oben gesehen, hat die Form ähnlich eines Quadrates, zum Fang hin etwas
enger zulaufend. Ein wenig überwiegt der Gesichtsschädel - Teil in der Länge.
Der Fang ist massiv breit, mittellang, etwas stumpf.
Der Nasenspiegel ist schwarz, gut geformt mit breiten Nasenlöchern.
Die Zähne sind stark und weiß bis elfenbeinfarben gefärbt.
Das Gebiss ist ein Scherengebiss
Die Augen liegen tief, nicht herausstehend, dunkel in der Farbe und
ausdrucksvoll. Wenn weiße Pigmente im Schädelbereich des Kopfes überwiegen,
dann können sie auch heller sein.
Die Ohren sind normal angesetzt, oft etwas höher angesetzt. Auch
Exemplare mit niedriger angesetzten Ohren werden festgestellt, das ist aber
nicht typisch für diese Rasse.
Foto:
Milla Joo
Im Ganzen ist der Bulgarische Hirtenhund kompakt und symmetrisch,
mit leicht länglicher Körperform.
Bei Rüden beträgt das Verhältnis zwischen Länge und Höhe des
Körpers ca. 8 - 10 %. Bei Hündinnen sind es 10 - 12 %.
Größe:
Höhe: Die größten Bulgarischen Hirtenhunde-Rüden variieren in der
Höhe. Sie liegt zwischen 65 - 75 cm. Bei Hündinnen sind es 63 - 72 cm.
Gewicht: die Grenze liegt bei 45 - 57 kg bei Rüden. Bei Hündinnen
40 - 52 kg.
Hinweis: Wenn die Proportionen des Körpers stimmen, wenn keine
Schwerfälligkeit in den Bewegungen und irgendwelche Einschränkungen beim
Einsatz des Bulgarischen Hirtenhundes als Schutzhund entstehen, dann sind
Exemplare dieser Rasse auch in höherer Größe und Gewicht zulässig. Dies sollte
nicht die geschlechtlichen Unterschiede beeinflussen, welche, in allen Fällen,
sichtbar zu erkennen sein sollten.
Foto: Milla
Joo
Hals:
Der Hals ist stark und breit mit leichten Hautfalten, ohne
Verformung "Kragen" genannt. Seine Länge ist ungefähr so lang wie der
Kopf. Er befindet sich in einem Winkel von 40°, bezogen auf die Relation der
gedachten Verlängerung des Hinterkörpers.
Foto:
Milla Joo
Brust:
Die Brust ist breit und tief (großräumig). Das Brustbein befindet
sich ein wenig unterhalb der Ellenbogen. Die Rippen sind mäßig rund, weder
rohrförmig noch zu flach. Die Schultern sind gut bemuskelt. Sie sind locker mit
dem Hals verbunden, genauso wie mit dem Hinterkörper. Von vorn gesehen, ist die
Brust gut gebaut, was die Stellung der Vorderbeine breit macht, aber nicht
aufgestellt.
Foto:
Milla Joo
Hinterkörper, Hüfte und
Widerrist:
Der Hinterkörper ist stark, gerade und breit. Die Hüfte ist
mittellang, der Widerrist kurz. Sie sind fest miteinander verbunden ohne
hervorzustehen oder herunterzuhängen.
Foto:
Milla Joo
Kruppe und Rute:
Der Widerrist zusammen mit den Beckenknochen bildet eine breite
Kruppe mit einem guten Rahmen und Muskulatur. Die Rute reicht bis zum
Sprunggelenk oder endet kurz darunter. In den meisten Fällen ist sie sichelförmig oder wird ringförmig über dem
Rücken getragen.
Foto:
Milla Joo
Vorderhand:
Das Schulterblatt ist lang und breit, leicht mit dem Rumpf
verbunden, dicht an der Brust mit deutlichem Bogen. Die Oberarmknochen sind
mittellang und nah am Körper. Die Ellenbogen sind dicht an der Brust. Die
Unterarmknochen sind senkrecht angeordnet in leicht ovaler Form. Die Mittelhand
ist fest und straff.
Foto:
Milla Joo
Hinterhand:
Die Oberschenkel sind lang, breit und muskulös. Die Unterschenkel
sind lang, im rechten Winkel zum Oberschenkel. Die Sprunggelenke sind gut
ausgebildet, fest, und parallel zueinander. Der Mittelfuß (die Verbindung
zwischen dem Sprunggelenk und dem Fuß) ist fest und straff. Wie die Vorderhand,
ist die Hinderhand gerade, parallel zur anderen und senkrecht. Die Pfoten sind
breit, leicht oval in der Form. Die Ballen sind fest, aber elastisch. Die
Krallen sind kräftig, lang, liegen an der Pfote an.
12.03.2005 Beograd - Representation the
breed in FCI Meeting
Quelle:
Nicholay Atanassov
Bewegungen:
Der Bulgarische Hirtenhund bewegt sich langsam. Die Bewegungen
erscheinen schwerfällig in weit ausgreifendem Trab. Das rührt von den relativ großwinkeligen Gelenken, hauptsächlich
der Hinterhand.
Fell:
Das Fell ist mittellang bis lang. Das Gesicht ist mit kurzem Haar
bedeckt. Einige Hunde haben auch an den Ohren kurze Haare. Kürzer ist das Haar
an dem hinteren Teil der Vorderhand und am Unterarm bis zu den Pfoten.
Der rückwärtige Teil der Schulter und der untere Teil der Schenkel
sind mit langem Deckhaar bedeckt. Die Unterwolle ist dicht und bedeckt den
ganzen Körper, außer die Körperteile mit kurzem Haar.
Der Bulgarische Hirtenhund variiert in seinen Fellfarben. Bei den
Schäfern überwiegt die weiße Farbe mit großen, asymmetrischen schwarzen
Flecken, was das typische Haarkleid des Bulgarischen Hirtenhundes ist, aber es
kann nicht als Zuchtstandard angesehen werden. Ganz schwarzhaarige Hunde sind
ein erheblicher Fehler, und ganz Weiße könnten ein Hinweis für eine Vermischung
mit einer Rasse sein, die weit entfernt vom natürlichen Vorkommen des
Bulgarischen Hirtenhundes ist.
Der Geschlechtsunterschied ist stark ausgeprägt.
Foto:
Milla Joo
Disqualifikationen:
Als Fehler wird jede Abweichung von den im Standard aufgelisteten
Punkten angesehen, sofern diese sie anders ist als das beschriebene Exterieur,
ein Hindernis zur Erfüllung der Aufgabe der Hunde darstellen und den Hunden die
Möglichkeit einer normalen Fortpflanzung vorenthalten.
Nicholay Atanassov
Kynologe, Ordentliches Mitglied der Vereinigung der Wissenschaftler in
Bulgarien, seit 1988
7, Hadji Dimitar St.
8900 Nova Zagora
B U L G A R I A
http://www.cynology.info
Das Aussehen
Foto: Veselin Paunov
Mit Aussehen meine ich natürlich nicht
die Schönheit der Hunde, sondern die Vielfalt. Denn auch der Bulgare ist eine
kunterbunte „Farbenschachtel“ und das soll so bleiben.
In der Forschung ist man nicht soweit,
dass man sagen kann, ob an äußere Merkmale nicht auch gesundheitliche und
charakterliche Merkmale gebunden sind. Daher kann man natürlich beim
„umstricken“ von Hunderassen sehr viel unwiderruflich zerstören.
Foto:
Milla Joo
Zwar sind wir es in Europa gewohnt, eine Rasse in immer dem ziemlich
gleichen Bild zu sehen, aber bei sehr vielen Hirtenhunden gibt es eben eine
Buntheit, über die man nur staunen kann. Und Gott sei Dank lässt der Standard
dieser Rassen eben auch verschiedene Farben zu.
Im Standard des bulgarischen Hirtenhundes
schreibt Nicholay Atanassov:
“ ... Der Bulgarische Hirtenhund variiert in seinen Fellfarben. Bei
den Schäfern überwiegt die weiße Farbe mit großen, asymmetrischen schwarzen
Flecken, was das typische Haarkleid des Bulgarischen Hirtenhundes ist, aber es
kann nicht als Zuchtstandard angesehen werden. Ganz schwarzhaarige Hunde sind
ein erheblicher Fehler, und ganz Weiße könnten ein Hinweis für eine Vermischung
mit einer Rasse sein, die weit entfernt vom natürlichen Vorkommen des
Bulgarischen Hirtenhundes ist.“
Foto: Veselin Paunov
Da er das Wort
“könnten” benutzt hat, kann man das so stehen lassen, denn alleine aufgrund der
„Verwandtschaft müssen eigentlich immer auch weiße Hunde vorkommen.
Auch bei dieser Hirtenhunderasse ist der ganz schwarze Hund als
fehlerhafter Hund angesehen, wie auch z. B. beim Kaukasen. So besonders eng
sieht man das aber anscheinend nicht, denn es findet sich schon sehr viel
schwarz und das hat sicher auch psychologische Gründe, schwarz sieht
gefährlicher aus, weiß ist eine freundliche Farbe.
Foto:
Milla Joo
Vergleicht man die anderen Rassen des Balkan mit dem Bulgaren,
fallen eben diese vielfarbenen Hunde auf, die es in ziemlich allen Ländern gibt
und damit dürfte sicher sein, sie sind alle sehr enge miteinander verwandt.
Und noch etwas gehört zum Aussehen des bulgarischen Hirtenhundes,
er hat das so genannte „magische Dreieck“. Und das möchte ich erklären.
Bei vielen Rassen ist die Schnauze oder der Fang deutlich
abgesetzt, das heißt, sie ist schmäler als der Kopf. Bei den Hirtenhunden soll
oder muss der Übergang vom Fang zur Stirn ein Dreieck und bei den meisten
Rassen fliesend mit einem schwachen und nicht steilen Stop sein.
Standard – Blödsinn? Nein, das ganze ist einfache Physik, denn mit
einem kräftigen Fang hält man besser fest, oder der Biss ist eben
wirkungsvoller. Erinnert man sich an die Aufgaben der Hirtenhunde, ist es dann
eben einleuchtend, dass dieses „magische Dreieck“ eine Notwendigkeit ist.
Leider haben das viele Züchter vergessen und dann kommen auch bei Hirtenhunden
diese schmalen Fänge raus und das wäre dann in meinen Augen ein schwerer
Fehler, der auf jeden Fall zu einem Zuchtverbot führen muss. Schaut man sich z.
B. viele Sarplaninac an, wäre bei denen ein Zuchtverbot bitter nötig. Das aber
ist eine andere Geschichte.
Foto:
Milla Joo
Charakter
Erinnert sei an einige Sätze aus dem Standard, dort heißt es: „Der
Bulgarische Hirtenhund ist kein Hund für die Wohnung, welcher auf dem Sofa
liegt, in der lauten Stadt zwischen Menschen und Autos spazieren geht, gern in
Parks mit anderen "Kumpels" jedweder Art und Rasse zusammen ist.“
Und mit diesem Zitat ist schon eine ganze Menge gesagt, wenn es um
den Charakter der Hunde geht. Denn im Umkehrschluss mag ein bulgarischer
Hirtenhund all diese Dinge überhaupt nicht.
Es geht natürlich auch anders
Foto: Veselin Paunov
Daher mal der Reihe nach, was ich aus dieser Beschreibung
herauslese.
Als erstes ist auch diese Rasse, wie die anderen Hirtenhunde auch, an eine
gewisse Freiheit gewöhnt. Und natürlich sind auch diese Hunde sehr
selbstständig. Das aber ist nicht angelernt, sondern steckt in den Genen. Daher
muss man in der Haltung und Erziehung auch darauf Rücksicht nehmen.
Eine laute und hektische Umwelt ist natürlich auch nicht der Hit im
Leben eines Bulgaren, denn sie sind Hunde der Dörfer und der Berge. Dazu gehört
dann eben eine gewisse Freiheit.
Zum Charakter gehört sein ausgeprägter Beschützerinstinkt. Er wird
also alles beschützen, was nach seiner Meinung zu seiner Umwelt gehört. Das
kann neben den traditionellen Tieren aber auch die „Menschenfamilie“, das Auto
oder ein Grundstück sein, aber durchaus auch Gegenstände, die zum Haushalt
gehören. Daher muss er rechtzeitig lernen, wann man bewacht und wann man es
sein lässt. Die Beschreibung der „schutzwürdigen“ Objekte lässt also nicht den
Schluss zu, er sei territorial bezogen, er ist ganz sicher objektbezogen, wie
alle Hirtenhunde.
Umgekehrt ist dann aber bei dieser Rasse ein fehlender
Schutzinstinkt unerwünscht und muss dann zu einem Zuchtverbot führen.
In einigen Quellen - und das sind die „Quatschquellen“ - ist zu
lesen, man wisse bei diesen Hunden aufgrund ihres Schutztriebes dann auch nie,
ob und wann sie zubeißen. Oder man kann lesen, die Hunde neigten zu
unvermuteten Reaktionen und bei den ganz schlechten Quellen wird sogar eine
relativ hohe Aggressivität unterstellt.
Das ist einfach falsch. Ein „wesensfester“ Hund wird sich so nicht
verhalten. Vorausgesetzt, bei ihm stimmen die Gene und natürlich auch die
Sozialisierung, darauf möchte ich dann im Kapitel Erziehung eingehen.
Foto:
Rostislava Todorova
Der bulgarische Hirtenhund wird in allen guten Beschreibungen
dieser Rasse als “ ruhig, unabhängig, intelligent, mutig und stolz“ beschrieben und
diese Beschreibung würde schon deshalb passen, weil er eben in der Regel immer
noch fast ausschließlich als Arbeitshund eingesetzt wird.
Damit wird dann auch
ausgedrückt, dass auch dieser Hirtenhund eine sehr hohe Reizschwelle hat und
dann stimmt auch dieser Satz: „Seiner Herde und seiner menschlichen
Bezugsperson ist er selbstlos ergeben“. Oder anders ausgedrückt, er eignet sich
sehr gut als Familienhund. Wobei man dabei immer berücksichtigen muss, dass
eben seine Wachsamkeit und sein Beschützerinstinkt dafür sorgen, dass so
mancher Fremde keine Chance hat, an Familienmitglieder heran zu kommen. Ist
dieses Verhalten nicht erwünscht, muss daher trainiert werden, dass es der Hund
in bestimmten Situationen oder bei bestimmten Besucher gut sein lässt.
Derartiges Training ist nicht besonders schwer, denn z. B. auf
Pferdehöfen verhalten sich Hirtenhunde gegenüber den Besuchern absolut neutral,
wenn sie gelernt haben, dass ein „Publikumsverkehr“ normal ist.
Das mit der Aggressivität hatten wir schon, aber ich möchte extra
noch mal betonen, die Aggressivität dieses Hirtenhundes ist nicht sehr stark
ausgeprägt. Denn seine angeborene Zurückhaltung und seine „Beobachtungsgabe“
verleitet eventuell dazu, dass man Aggressivität unterstellt.
Auch der bulgarische Hirtenhund ist in Situationen, die er als
bedrohlich empfindet, ein hervorragender Schauspieler. Das heißt, er wird dann
eben mit einer „Riesenshow“ denen imponieren, die er als Bedrohung empfindet.
„Richtige Angriffe“, bei denen auch die Zähne eingesetzt werden, gibt es sehr
selten, dann aber sind sie berechtigt. Dieser natürliche Schutztrieb ist
einfach vorhanden und daher sollte er in keiner Weise gefördert werden, z. B.
durch Schutzdienst auf Hundeplätzen.
Wenn der Charakter eines Hundes als ruhig beschrieben wird, heißt
das noch lange nicht, dass Bulgaren wie Schlaftabletten wirken. Auch diese
Hunde sind in der Regel lebhaft und an andere Umgebungen relativ leicht zu
gewöhnen. Daher trifft auch auf sie die alte und falsche Erkenntnis nicht zu,
Hirtenhunde seien in fremder Umgebung eher unsicher. Vielleicht gilt dies ja
für „Herdenschutzhunde“.
Foto: Veselin Paunov
Unter anderem auch wegen ihrer Flexibilität wurden bulgarische Hirtenhunde
bis zum Ende
des zweiten Weltkrieges in der bulgarischen Armee als Wach - und Schutzhunde
eingesetzt. „Sie gelten als äußerst
leistungsfähig, sehr beweglich und arbeiten unter den unterschiedlichsten
Bedingungen. Wegen dieser Qualitäten sind sie in Bulgarien legendär.“
Wenn man dann noch über
diese Rasse liest, sie sei sehr selbstständig, muss das eben sowohl bei der
Beurteilung des Charakters, wie auch bei der Haltung und Erziehung beachtet
werden.
Haltung
Nahtlos kann man vom
Charakter dieser Rasse auf seine Haltung übergehen. Denn sicher wird es
einleuchten, dass bei der Beschreibung eines Freiheit gewöhnten selbstständigen
Hundes auch die Haltung angepasst sein muss. Das heißt, einsperren in einer
Wohnung oder einem Haus ist ganz sicher falsch.
Ausnahmen
bestätigen die Regel
Foto: Veselin Paunov
Auch diese
Hirtenhunderasse fühlt sich am wohlsten, wenn sie „draußen“ leben kann.
Erinnert sei an ein Bild, das einen Kaukasen zeigt, der sich sein Eigenheim
selbst gebaut hat, sprich, er grub sich eine ausreichend große Grube und die
war angenehm kühl und bot genug Platz.
Eine Hundehalterin aus Österreich, die eine
Zuchtstation in Bulgarien besuchte beschreibt das so:
„ … Überhaupt
leben die Hunde, die untereinander verträglich sind, es gibt nämlich auch hier
die gegenteilige Variante, völlig frei im Gelände. Sie kommen morgens, wenn die
Herde ausgetrieben wird, aus allen Himmelsrichtungen dahergetrottet, begrüßen
den Schäfer, lassen sich kurz kraulen und marschieren dann mit der Herde mit.
Abends, wenn wieder eingetrieben wird, kommen sie zur Station, schlagen sich
den Bauch voll (Weizenkleie mit Molke und Wasser gekocht, ab und zu mal ein
kleines Stück Fleisch) und trollen sich wieder in die Botanik.“
Außerdem würde eine Haus
- oder Wohnungshaltung viel zu reizarm sein. Denn wenn der Bulgare als wachsam
beschrieben wird, muss er eben auch wachsam sein können. Daher ist die beste
Haltungsmöglichkeit ein Haus mit Grundstück und auf diesem Grundstück sollte er
sich bewegen können. Voraussetzung dafür, es ist ausbruchsicher eingefriedet.
Dies schreibe ich deswegen, weil auch er wie alle anderen Hirtenhunde sich
„aufblasen“ kann, wenn es in „bedrohlichen Situationen“ nötig ist, auf der
anderen Seite aber sind eben Hirtenhunde durchaus in der Lage, sich auf
Zwergdackelgröße zu minimieren, wenn es gilt, durch einen Zaun zu kommen.
Sicher ist es daher am besten, der Hund ist unter Aufsicht, wenn er sich im
Freien aufhält.
Unsere Hunde leben, wenn
wir nicht zuhause oder draußen sind, in einem großen Gehege, das an einer
„strategisch“ guten Stelle steht. Sie bekommen eine Menge mit und entsprechen
passen sie auf unser Grundstück und das der unmittelbaren Nachbarn auf.
Das
wäre absolut sicher
Foto: Nicholay Atanassov
Zur Haltung gehört
natürlich auch die Frage, muss mein Hund überall mit hin. Wir haben die Frage
damit beantwortet, dass wir uns entscheiden haben für ein klares Nein.
Hirtenhunde sind auch nur „Gewohnheitsmenschen“ und daher müssen sie ja nicht
als Begleiter herhalten bei jedem Ausflug den wir unternehmen, egal wie der
aussieht. Spaziergänge oder Besuche z. B. eines Badesees sind natürlich etwas
anderes.
Apropos Spaziergänge,
auch der Bulgare ist nicht der große Läufer, der Tag für Tag Kilometer
„fressen“ muss. Viel interessanter ist es für ihn, wenn er die Dauer eines
Spazierganges selbst bestimmen kann. In der Praxis heißt das, unsere Hunde
drehen ihre alltägliche Runde mal in ca. einer halben Stunde, sie kann aber
auch das doppelte an Zeit dauern.
Joggen, Radfahren und an
der Leine laufen stehen in der Hitparade eines Bulgaren ganz weit hinten, er
will seine Spaziergänge ohne Leine als „Informationsgang“ eben selbst
bestimmen. Sehr oft wird in diesem Zusammenhang übrigens gesagt, man solle
Hirtenhunde nicht ohne Leine laufen lassen. Falsch aus mehreren Gründen.
Zum einen muss sich ein
derart großer Hund an den menschlichen Schritt anpassen und das wird ganz schön
ungesund, weil er mit einem normalen Schritt einen größeren Abstand hinter sich
bringt, als ein Mensch. Andererseits kann dann ein Hund nicht dann stehen
bleiben oder laufen, wie er will.
Daher werden unsere Hunde
abgeleint, wenn wir ein paar Meter von den Häusern entfernt und auf den Wiesen
sind. Allerdings finden wir das Verhalten anderer Hundebesitzer nicht gut, die
ihre Hunde immer ohne Leine laufen lassen. Dies aber nur aus einem einzigen
Grund: Jede Gemeinde hat eine so genannte Polizeiverordnung und die schreibt
nun mal in der Regel vor, dass Hunde innerhalb der bewohnten Fläche an die
Leine sollen. Auch zum Schutze der Hunde ist dies sinnvoll. Außerhalb
allerdings soll es eine Selbstverständlichkeit sein, die restlichen
Spaziergänge ohne Leine zu machen.
Nicht
jeder hat so ein „Taxi“
Foto: Nicholay Atanassov
Freie Hunde setzen eine
einigermaßen gute Erziehung voraus, aber das kommt dann anschließend.
Obwohl in einigen
Ursprungsländern Hirtenhunde einen Teil ihres Lebens an der Kette verbringen,
ist diese Haltung schlicht und ergreifend Tierquälerei. Genauso, wie übrigens
die Haltung in einem 2 x 3 Meter großen Fertigzwinger. Wer wie die angeblich so
tierfreundliche „Hundeflüsterin“ Christiane Rohn gleich mehrer Hirtenhunde in
derartigen Zwinger hält, beweist, dass er diese Hunde misshandelt. Abgesehen
davon, dass aufgrund der Größe und des Gewichtes dieser Rassen so eine Haltung
ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist. So wird nicht nur mir das Bild des
eingesperrten Centralasiaten Baghira immer in Erinnerung bleiben. Kann man sich
eine andere Haltung nicht leisten, sollte man es mit einem Stofftier probieren,
nicht aber mit einem Lebewesen.
Eine Rolle spielt bei der
Haltung eines Bulgaren auch die liebe Nachbarschaft. Ist diese tolerant genug,
das Verhalten eines wachsamen Hirtenhundes zu akzeptieren, oder nicht? Unsere
Nachbarn fühlen sich durch unsere Hunde sicherer, denn die meinen, ihnen gehört
das ganze Dorf und so passen sie eben auch auf alles auf.
Viele Hirtenhunde haben
im Hause fest zugewiesene Plätze und auch das ist Blödsinn, denn im Winter darf
es durchaus auch mal der weiche und warme Teppich sein, während im heißen
Sommer der Platz im Keller auf den kühlen Fliesen sicher das Paradies
darstellt, oder eben die selbst gebuddelte Grube. Darum wäre es ideal, wenn man
seinem Hirtenhund die Wahl selber überlässt. Denn mit Zu - oder Abneigung gegenüber
seinen Menschen hat diese Wahl nichts zu tun.
Im
kühlen Hausflur
Foto: Veselin Paunov
Zur Haltung gehört
natürlich die ganze Familie, also auch Kinder. Daher sollte jedem Halter eines
Hundes klar sein, Kinder und Hunde müssen immer unter Aufsicht stehen und mal
eben den Hund mit den „lieben Kleinen“ raus schicken, weil man keine Zeit hat,
geht nicht, bzw. geht in der Regel in die Hosen.
Im Kapitel über den
Mastin de los Pirineos habe ich als Abschluss des Kapitels Haltung geschrieben
und das gilt natürlich auch für den bulgarischen Hirtenhund:
„ …Zusammenfassend kann
man zur Haltung vielleicht schreiben, Halter und Züchter sollten versuchen, so
nahe wie möglich an die ursprüngliche Lebensweise des Mastin de los Pirineos zu
kommen. Das heißt dann, soviel Freiheit wie möglich in unserer Zivilisation bei
der Erziehung und Haltung. Mit viel Vertrauen in und zu seinem Hund eine legere
Einstellung zu den kleinen Macken der Hirtenhunde haben und alles vergessen,
was einem Hundesportvereine und vor allem Hundetrainer zu Zusammenleben mit
dieser Rasse sagen. Denn eines ist ganz sicher, wenn es in Deutschland mehr als
einen Trainer oder eine Trainerin überhaupt gibt, der/die diese Rasse überhaupt
kennt, dann wäre das schon eine Überraschung.“
Pflege
Vor der Erziehung steht natürlich die Pflege, denn
wer will schon außer mir mit einem ungepflegten Hirtenhund irgendwo auftauchen.
Aber dieses Kapitel kann bei allen
Hirtenhunderassen - also auch beim bulgarischen Hirtenhund - schnell
abgeschlossen werden. Denn einen großen Pflegeaufwand muss man bei dieser Rasse
nicht betreiben.
Haaren die Hunde einmal im Jahr richtig aus, genügt
es, gelegentlich das lockere und abgestorbene Haar auszuzupfen, oder zu
bürsten.
Baden ist tabu, denn man würde die natürliche und
sehr ausgeprägte Fettschicht der Hunde unnötig schädigen, oder gar zerstören.
Nicht umsonst schwören eine ganze Menge von „Pulloverliebhabern“ auf die Wolle
von Hirtenhunden, wenn es darum geht, einen möglichst wetterfesten Pullover zu
bekommen und das eben nur wegen dieser „fettigen“ und selbstreinigenden Wolle.
Stehohrige Rassen haben in der Regel weniger
Probleme mit verschmutzten oder gar entzündeten Ohren.
Da aber alle Hirtenhunde Kippohren haben und nicht
mehr alle kupiert sind, sollte man der Ohrenpflege einige Aufmerksamkeit
schenken. Kein großes Problem, denn wenigstens ich kenne keinen Hirtenhund, der
sich nicht gerne in und an den Ohren kraulen ließe. Dabei eben ab und an die
Ohren anheben und mal reinschauen. Die äußeren Gehörgänge kann man mit weichen
Wattestäbchen reinigen. Hat es aber ein Hund mal richtig im Ohr, hilft nur der
Tierarzt.
Guter Ohrenansatz, nicht
sehr schwere Ohren
Foto: Hristo Mikov
Ebenfalls sollte ein guter Hundehalter gelegentlich
die Zähne seines Hundes anschauen. Oder er sollte zur täglichen Zahnpflege
etwas hartes füttern. Darauf komme ich im Kapitel Ernährung zurück.
Thomas Schoke schrieb in seinem genial daneben Buch
über „Herdenschutzhunde“, Kaukasen hätten schlechtere Zähne als andere Rassen.
Unsere kaukasische Hirtenhündin Leika (8 Jahre alt) zeigt zwar gelegentlich und
sehr vorsichtig unserem Tierarzt die Zähne, aber der meint, da muss noch nichts
getan werden, z. B. den Zahnstein entfernen. Das liegt sicher auch an den
harten Leckerli. Nur danach schauen muss man eben immer mal wieder.
Ansonsten meine ich, ein
gesunder Hirtenhund mit einer rassetypischen Fellstruktur ist etwas für
Menschen, die eher faul sind und nicht den großen Pflegetrieb haben.
Erziehung
Früher
ging ich mit unseren Schäferhunden kurze Zeit mal auf einen Hundeplatz, damit
sie das lernen, was nach Meinung der dortigen Ausbilder nötig ist für einen
zivilisierten Hund. Heute meine ich, für unsere Hirtenhunde und ihr Landleben
genügen einige wenige Kommandos und die müssen sie so einigermaßen beherrschen
und ausführen.
Früh
übt sich, wer ein Meister werden will und deshalb sollten man so früh wie
möglich anfangen. Wer also einen Welpen bekommt, sollte bereits aus dem Spiel
heraus mit der Erziehung beginnen. Dazu gehört erst mal, bestimmte Dinge zu
verbieten. Als da wären, Möbel und Kleidungsstücke als Spielzeug zu betrachten,
denn ein bulgarischer Hirtenhund hat als erwachsenes Tier ein beachtliches
Gebiss.
Das geht bald auch nicht mehr
Foto: Veselin Paunov
Vor
lauter Begeisterung seine Mitmenschen anzuspringen muss auch nicht sein, denn
50 bis 60 kg. vor der Brust zu haben, gefällt nicht jedem.
Erziehung
soll den Alltag erleichtern und daher übertreiben wenigstens wir das ganze
nicht. Zu den Übertreibungen gehört z. B., dass ein Hund für das tägliche
Futter etwas tun muss. Schließlich muss ich auch nicht Pfötchen geben oder
sauber vorsitzen, bevor meine Frau das Essen serviert.
In
den meisten meiner Portraits habe ich geschrieben, dass sich Autorität der
Besitzer nicht dadurch ausdrückt, dass ein Hirtenhund aufstehen muss, wenn er
seinen Besitzern im Wege liegt, oder das er nicht vor diesen durch einen
Durchgang gehen darf. Unsere Hunde tun das und unserer Autorität hat das bisher
keinen Abbruch getan. Daher kann man auch beim bulgarischen Hirtenhund diesen
Blödsinn weglassen.
Ein Streitthema ist die
Frage, ob ein Hirtenhund auf den Hundeplatz sollte, egal um welche Ausbildung
es geht. Nach meiner Meinung sollte man einen Platz meiden, denn mit den
meisten Kommandos kann weder ein Hirtenhund noch sein Besitzer viel anfangen.
Im Gegenteil, sie sind eher kontraproduktiv. Leine laufen und das noch sauber
am Fuß ist bei einem solch großen Hund eher lästig, denn läuft der Hund vor
seinem Menschen, hat der ihn besser im Auge und es entspricht mehr dem Naturell
des Hundes.
Agyliti ist für einen
Bulgaren unter seiner Würde, albern und einfach überflüssig. Daher wird er
streiken und das war’s.
Absolut die Finger sollte
man von der Ausbildung zum Schutzdienst lassen. Der bulgarische Hirtenhund hat
einen natürlichen Schutztrieb und der darf nicht noch gefördert werden. Beißen
eines Lebewesens soll die absolute Ausnahme sein und muss nicht erlernt werden.
Diesen Ratschlag gebe ich deswegen, weil ich schon mitbekommen habe, dass Hirtenhundebesitzer
mit ihren Hunden Schutzdienst machen. Davon mal ganz abgesehen, meine ich
prinzipiell, dass Zivilisten oder „Otto Normalbürger“ von solchen Ausbildungen
die Finger lassen sollten. Und selbst bei Diensthunden kommen mir an dieser
Ausbildung erhebliche Zweifel, wenn ich sehe, welche Beamte mit welchen Hunden
arbeiten. Als Negativbeispiel fällt mir der Leiter der Ravensburger
Diensthundestaffel der Polizei Klaus Sch. ein. Denn dem spreche ich ab, mit
einem Hund verantwortungsvoll und im Sinne des Tieres richtig umzugehen.
Ein wichtiges Ziel der
Erziehung muss sein, dass auf Spaziergängen Menschen und Tier in Ruhe gelassen
werden. Auch wenn es viele Hundebesitzer nicht einsehen und nicht verstehen, es
gibt Menschen, die vor Hunden Angst haben und dann gehen wenigstens unsere
Hunde einige Meter an der Leine. Vollends unverschämt finde ich das Verhalten
von Hundebesitzern, wenn man es mit Kindern, älteren Menschen oder gar einer
Schwangeren zu tun hat. Auch wegen solchen Uneinsichtigkeiten nimmt die
Akzeptanz gegenüber Hunden immer mehr ab.

Godina 1890
Foto: Antoan Hlebarov
Wichtig ist sicher das
Kommando „steh“, denn wenn unsere Hunde mal etwas zu weit entfernt sind, lasse
ich sie lieber stehen. Dieses Kommando befolgen die Hunde besser, als ein
Abrufen oder Sitzen.
Auch ein Kommando, dass
sozusagen zur Grundausstattung gehört, ist „Sitz“. Das hat praktische Gründe.
Sitzt ein so großer Hund wie ein Bulgare, ist er am einfachsten anzuleinen, man
kann am besten in seine Ohren und in das Gebiss schauen und unser Tierarzt hat
am schnellsten die Spritze bei der jährlichen Impfung drin. Also gehört auch
Sitz zu den wichtigen Dingen im Leben eines Hirtenhundes.
Was können unsere Hunde
sonst noch? Nur noch Blödsinn, Leckerli im Flug fangen oder auch nicht, Platz
machen um sich dauernd zu drehen, das war’s dann.
Uns reicht das übrigens
auch. Und einen großen Vorteil hat das auch noch, was man nicht kann, muss man
nicht machen. Und was man nicht machen muss, kann man auch nicht falsch machen.
Daher kommen wenigstens wir mit sehr wenig „Bestrafung“ aus, was unseren Hunden
wiederum gefällt.

„Sitz“
kann schon der junge Hund
Foto: Veselin Paunov
Wichtig in der Erziehung
ist sicher, diese ohne jeden Druck zu machen, denn Druck erzeugt bei einem selbstbewussten
Hirtenhund Gegendruck. Und man darf natürlich nicht erwarten, dass alles
gelernte so schnell ausgeführt wird, wie bei einer reinen Schutzhunderasse.
Daher ist Toleranz angesagt, was übersetzt heißt, ein Kommando „hier“ sollte
spätestens beim dritten wiederholen so langsam ausgeführt werden.
Wer mal in den
Ursprungsländern Hirten bei der Arbeit beobachten konnte, merkt schnell, mit
was für einer Gelassenheit sie selbst große Herden und die dazu nötige Anzahl
von Hunden führen und das schon seit Jahrhunderten, oder noch länger.
Logik und Konsequenz sind
die einfachste Methode, um einen bulgarischen Hirtenhund zu erziehen, das gilt
dann aber auch für die ganze Familie. Andersrum, alle ziehen entweder an einem
Strang und arbeiten zusammen, oder der Hund wird mit Teilen der Familie machen,
was er will. Kommt dann noch Geduld und Spucke hinzu, wird diese intelligente
Rasse sehr schnell ein tolles Familienmitglied.
Bei der Beschreibung des
Charakters schrieb ich, dass diese Hirtenhunde sehr anhänglich und ergeben
gegenüber ihren Menschen sind, daher möchte ich einige Sätze aus anderen
Beschreibungen übernehmen, sie lauten:
„… HH
Ein Hirtenhund gehorcht aus reiner Zuneigung zu
seinem Besitzer“
Oder:
„ … Man sollte immer daran denken, dass Hirtenhunde
seit jeher selbständig arbeitende Hunde waren. Ihnen allein oblag der Schutz
der Herde … Sie mussten entscheiden, ob Gefahr drohte oder nicht und richteten
ihre individuellen Reaktionen mehr nach dem eigenen Instinkt als nach den
Anweisungen des Hirten aus. Von selbständig agierenden Hunden kann man keinen
"Kadavergehorsam" erwarten. Sie wurden nicht dazu gezüchtet, dem
Menschen aufs Wort zu gehorchen. Trotz allem: Mit Konsequenz und
Einfühlungsvermögen lassen sich auch einem Hirtenhund die Grundlagen der
Erziehung nahe bringen und es ist wichtig, dass der Hunderiese seinen Besitzer
bedingungslos akzeptiert und lernt, welches Verhalten erwünscht, welches jedoch
unerwünscht ist.“
Und damit kann dieses Kapitel abgeschlossen
werden.
Ernährung
Das sieht schon sehr gut aus
Foto: Nicholay Atanassov
Auch
in dieser Rassebeschreibung möchte ich vorab schicken, dass ich kein
Lebensmittelchemiker bin und darum über Futtersorten nichts schreiben kann.
Aber
vielleicht erinnert sich so mancher Hirtenhundehalter daran, dass man bei
Hirtenhunden immer sagt, die Hunde sollten „groß gehungert“ werden. Das heißt
zwar nicht, man gebe ihnen minderwertiges Futter, aber auf jeden Fall immer
weniger, als die Hersteller angeben. Und auch die Zusammensetzung sollte sorgfältig
ausgewählt werden. Also scheidet alles „Hochleistungsfutter“ aus, denn es
enthält zuviel Proteine und Eiweiß.
Josef
Müller beschreibt es in seinem Buch über die Pyrenäenhunde so:
„…
Viele werden sich schon gefragt haben, wie ein so großer und relativ schwerer
Hund in einem als extrem sparsam bekannten Milieu traditionell sich ernährt
hat. Die Antwort ist ganz einfach: mit Brot, Essensabfällen - falls es welche
gab -, Molke, die täglich zweimal anfällt, aber mit den Schweinen geteilt
werden muss, Schafkot, der ebenfalls täglich abfällt, und Nachgeburten, die bei
den asaisonalen Schafrassen übers ganze Jahr vorkommen. Der weidende
Herdenschutzhund frisst selten Gras, so oft wie alle anderen Hunde auch, viel
öfter frisst er den Kot der Schafe, der ihm Ballaststoffe und Vitamine zuführt,
natürlich auch Würmer... Wie kann unter diesen Bedingungen die Hundemutter
einen Wurf aufziehen? Indem ihr der Mensch auf eine für uns Heutige ziemlich
radikale Weise hilft: Im Wurf wurden prinzipiell nur die Welpen belassen, die
man brauchte. So blieben von sechs bis acht Welpen nur zwei, vielleicht drei
übrig, die von der Mutter relativ sicher durchgebracht werden konnten. “
Noch
Fragen? Vielleicht die, was füttern wir dann in unseren Breitengraden, wenn
Hirtenhunde möglichst langsam und gleichmäßig wachsen sollen?
Eine
Antwort ist schon gegeben worden, immer weniger, als die Hersteller angeben.
Und das heißt, die Etiketten dieser Futtermittel studieren, da wo Proteine und
Eiweiß am niedrigsten sind, kann man anfangen. Welpenfutter auf jeden Fall
weglassen, das ist zu „gut“ für Hirtenhunde und z. B. gleich auf die „Leicht -
Version“ eines Hersteller umstellen.
Und
wie oft soll ein Hirtenhund gefüttert werden? Während der ersten sechs Monate
ist eine dreimalige Fütterung am besten, denn das belastet den jungen Hund am
wenigsten, anschließend sollte man diese Rasse zweimal am Tage füttern.
Ein
Zitat aus einer anderen Beschreibung:
„
… Die Begründung für zweimaliges Füttern ist in meinen Augen richtig, wenn man
damit eine gleichmäßige Verdauung und eine nicht zu starke Belastung des Magens
erreichen will. Falsch ist sicher das Argument, man könne damit eher eine
Magendrehung verhindern. Diese ist ein Problem aller großen Rassen und nicht
hirtenhundespezifisch. Wenn nämlich die „Aufhängungen“ nicht mehr stabil genug
für derart große Hunde sind, kann eine Magendrehung auftreten, sind diese aber
kräftig und normal entwickelt, passiert so was eben nicht.“
Bei
uns gibt es daher morgens und Abends etwas zu essen. Morgens können die Hunde
in aller Ruhe verdauen, denn wir sind den ganzen Tag berufstätig und sie haben
ihre Ruhe. Abends gibt es erst Futter nach dem Spaziergang und dann folgt eben
die Nachtruhe. Vorher zu füttern verbietet wenigstens uns das alte Sprichwort: Mit
vollem Magen ist schlecht arbeiten.
Einen
Ratschlag der großen Experten befolgen wir nicht, nämlich, man solle den Hunden
immer eine Gehorsamsübung abverlangen, bevor sie Futter bekommen. Das
vergleiche ich dann einfach mit mir und solange meine Frau nicht eine
Gegenleistung von mir verlangt, müssen unsere Hunde eine solche auch nicht
bringen. Den Ratschlag sollte man also ruhig vergessen, denn er kommt aus der
Spielkiste der uralten Erziehung anno Tobak.
Und
noch etwas ist vielleicht wichtig, die Mahlzeiten sollten ein Ritual sein. Das
heißt, sie finden möglichst immer zur gleichen Zeit statt und sie haben immer
den gleichen Ablauf. Wie der aussieht, muss jeder Hundehalter für sich
entscheiden, denn jeder hat andere Verhältnisse in seiner Umwelt. Fütterung auf
dem Balkon oder hinter dem Haus, oder in der Waschküche sind so dumme
Ratschläge, dass ich darauf nicht mehr eingehen will, wie schon geschrieben,
Mottenkiste letztes Jahrhundert.
Der Arbeitsplatz
Foto:
Milla Joo
Der
bulgarische Hirtenhund genießt unter den Hirtenhunden eine Sonderstellung. Denn
um ihn und in seiner Umgebung ist alles mehr oder weniger geschützt, die
Landschaft und die Nutztiere und da man in Bulgarien anscheinend tiefer und
ausgiebiger denkt, auch gleich die Hirtenhunde mit.
Das
macht den „Arbeitsplatz“ des bulgarischen Hirtenhundes ziemlich sicher und
davon soll dieses Kapitel handeln.
Fange
ich mit der Landschaft an, in der heute wieder Weidewirtschaft betrieben wird,
wäre erwähnenswert, dass große Teile des Rila und das Pirin Gebirges, sowie die Rhodopen
unter Naturschutz stehen und dass diese Landschaft auch aus touristischen
Gründen in ihrer Ursprünglichkeit erhalten werden soll. Das ist aber nur mit
Weidewirtschaft möglich, ähnlich z. B. der schwäbischen Alb oder anderer
Mittelgebirgslandschaften in Deutschland, in denen ebenfalls die Schafe eine
wichtige Rolle spielen.
Diesen Mittelgebirgen
möchte ich einige extra Sätze widmen, denn sie sind wahre Kleinode.
Das
Rhodopen Gebirge
Foto: www.airmuek-reiseberichte.de/bulgarien.htm
Die
Rhodopen - übersetzt aus dem Thrakischen heißen sie „Gebiet des rotbraunen Flusses" -
sind ein bewaldetes Rumpfgebirge, das zum größten Teil im Süden Bulgariens liegt,
der Rest im Nordosten gehört zu
Griechenland. Der höchste Gipfel ist mit 2.191 m der Goljam Perelik, weitere Gipfel sind Goljama Sjutkja (2.186 m), Goljam Persenik (2.091 m), Batashki Snezhnik (2.082 m), Malka Sjutkja (2.079 m) und Prespa (2000 m).
Im Osten der Rhodopen
herrschen Buchen - und Eichenwälder vor. In den höheren westlichen Rhodopen
dagegen Nadelwälder und dort befinden sich auch die höchsten Gipfel.
Im Nordwesten schließt
sich das deutlich höhere Rila - Gebirge, im Südwesten das ebenfalls höhere
Pirin -Gebirge an. Größere Städte sind Welingrad, Smoljan, Peschtera,
Kardschali und Batak. Es gibt Rohstoffvorkommen an Blei, Kupfer und Zink und
Mineralquellen in Welingrad und Naretschen.

Pirin
Gebirge
Foto: www.airmuek-reiseberichte.de/bulgarien.htm
Karstlandschaften prägen
die Gegend mit zahlreichen Höhlen, tief eingeschnittenen Schluchten und
auffälligen Felsformationen, wie z.B. die Trigrad - Schlucht, die Höhlen Teufelsschlund , Uhloviza, Jagodinska und die Felsformationen Wunderbare Brücken.
Die westlichen Rhodopen
sind die Heimat der Pomaken, in den östlichen Rhopdopen leben Angehörige der
türkischen Minderheit, das Gebirge ist somit ein Zentrum des Islam in Bulgarien.
Die
Festung Perperikon in den Ostrhodopen
Foto: www.naturetravel.de
Das Pirin Gebirge liegt
im äußersten Südwesten Bulgariens, aber es gibt auch einen Berg mit dem
gleichen Namen und der ist 2593 Meter hoch. Auch eine kleine Stadt trägt
denselben Namen und es gibt ein im Handel erhältliches Quellwasser, auch mit
demselben Namen.
Noch nicht genug Pirin?
Bitte schön, es gibt noch einen Nationalpark mit demselben Namen und der
bulgarische Teil Mazedoniens wird Pirin - Mazedonien genannt.
Bliebe noch das Rila - Gebirge und das liegt im
Südwesten Bulgariens, sein höchster Gipfel ist der Mussala mit 2925 Metern
Höhe. Auf bulgarisch heißt dieses Gebirge übrigens Puna und es ist das höchste
Gebirge auf der Balkanhalbinsel. Auch hier gibt es mehrmals Rila, denn ein
Kloster trägt den gleichen Namen. Dieses ist eines der größten orthodoxen
Klöster und in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Es wurde
im 10. Jahrhundert von dem Mönch Iwan Rilski gegründet. Zur Lage des Klosters
schreibt Wikipedia:
„Das Rilakloster liegt relativ abgeschieden in
einem Tal, das von der Westseite her ins Rilagebirge schneidet. Die Nordseite
des Tals erhebt sich einige hundert Meter über dem Kloster. Hinter der
Nordseite des Tales liegt der Berggipfel Maljoviza. Zur Berghütte Maljovitza
ist es eine Tageswanderung weit.
Das Tal des Rilaklosters führt weiter zu den
"Fischseen" und der Berghütte "Fischseen" (ca. 3 Stunden
Fußweg).
Geprägt ist dieses
Gebirge durch fast immer schneebedeckte Gipfel, zackige Felsformen, tiefe
Schluchten und eisige Bergseen. Außerdem gibt es eine Vielzahl von
Mineralquellen. Die heißeste Quelle (102 °C) befindet sich in Sapareva
Banya. Am Südrand des Gebirges liegen die Wintersportzentren Bansko und Raslog.
Im Rila befinden sich
mehr als 150 Seen in Höhen zwischen 2.100 und 2.500 m. Der höchste davon
liegt auf 2.709 m am Fuße des Mussala. Das Rila - Gebirge ist der Ursprung
der Flüsse Mariza, Iskar und Mesta.“
Innenhof
des Rila – Klosters
Foto: www.airmuek-reiseberichte.de/bulgarien.htm
Der Artenreichtum in den
bulgarischen Gebirgen ist groß. Man findet u. a. Bären, Wildschweine, Luchse,
Ziegen, Hirsche, Falken und Adler und natürlich auch Wölfe. All diese Tier
stellen eine Gefahr für die Herden der Schäfer und Hirten dar und sichern damit
die Arbeitsplätze des bulgarischen Hirtenhundes.
Aber nicht nur die
Landschaft ist zum großen Teil geschützt, sondern man hatte in Bulgarien
beschlossen, alles in einem Abwasch zu erledigen und daher sind die alten
Nutztierrassen gleich mit einbezogen worden. Schützt man aber Nutztiere in
Landschaften, in denen es Wölfe, Bären, Luchse und Füchse, sowie Greifvögel als
natürliche Feinde gibt, muss man eben nach A auch B sagen und so wurden die
bulgarischen Hirtenhunde auch gleich in dieses Programm mit einbezogen. Und
deswegen kann man schon behaupten, diese Rasse ist ein wenig privilegiert.
Auch
das gehört zu den Rhodopen
Foto: www.airmuek-reiseberichte.de/bulgarien.htm
Anscheinend ist dieses
Programm von den zuständigen bulgarischen Stellen nicht alleine zu schultern,
oder internationale Organisationen haben eben ein Interesse an der Erhaltung
der Landschaft und ihrer Nutztiere, auf jeden Fall werden diese Maßnahmen auch
von außerhalb des Landes unterstützt.
So fand ich die folgenden Zeilen:
„ ...1992 begannen
Wissenschaftler und Projektmitarbeiter typische und ursprüngliche Hirtenhunde
zu suchen und in einem Zuchtprogramm zusammen zufassen. Mit den registrierten
Hunden wurde die Zucht neu aufgebaut.“
In der Zuchtstation
"Kara Kitan" (nahe Pernik) werden bulgarische Hirtenhunde
gezüchtet und die Jungtiere gibt man
kostenlos an die Schäfer ab. Seit Beginn des Zuchtprogramms hat sich die Zahler
der reinrassigen bulgarischen
Hirtenhunde auf 600-700 erhöht und im Zuchtbuch sind derzeit mehrere hundert Hunde eingetragen.
Aber das war nicht immer
so, daher zur Erinnerung noch mal einige Sätze über die Zeit, in der die
kommunistische Regierung glaubte, die alte Traditionen der Weidewirtschaft sei
nicht mehr zeitgemäß und überflüssig:
„ … Nach der
Verstaatlichung des privaten Viehs in Bulgarien im Jahre 1957 wurde die Haltung
von Hirtenhunden als "nicht erforderlich" eingestuft und eine große
Anzahl der Hunde wurde getötet. Zu dieser Zeit wurde auch die Jagd auf den Wolf
in vernichtender Weise betrieben, er wurde dadurch in Bulgarien fast
ausgerottet. Anfang der sechziger Jahre ordnete die sozialistische Regierung
sogar den Handel mit Fellen von Wölfen und Hunden an…
Nach 1991, als die
sozialistischen Strukturen zerbrachen und die staatlichen Bauernhöfe aufgegeben
werden mussten, wurden viele der Hirtenhunde "heimatlos", streiften
umher und wurden von Jägern getötet. Wegen der geringen Gesamtpopulation und
einem extremen Mangel an reinrassigen Hündinnen, begannen die Schäfer mit der
Einkreuzung von Hunden ähnlicher Eigenschaften.“
Bei
den Bemühungen der ausländischen Organisationen und ihrer Vertreter kam es
immer wieder zu Auseinandersetzungen über den Namen der Haustierrassen und der
Hunde, denn der Name „Karakachan“ wurde von den bulgarischen Organisationen
größtenteils abgelehnt.
Auszüge
aus einem Protokoll:
„
... so wurden bei unserem Besuch die
Mitglieder ...ziemlich ultimativ aufgefordert, die Karakachan - Pferde als das
‚urbulgarische Pferd‘ zu bezeichnen und den Namen Karakachan aufzugeben.“
Der
letzte Satz wird noch einmal im Kapitel „Karakachan“ wichtig, Denn auch andere
Kynologen und Haustierforscher vertreten die Meinung, der Name Karakachan sei
nicht richtig.
Liest
man das Protokoll weiter, findet man weitere Zweifel, so heißt es dort:
„ …
Staatliche Institute: Diese haben noch Zuchtherden verschiedener alter Rassen.
Im Falle der Karakachan Schafe ist aber offen, ob es sich tatsächlich um
ursprüngliche Tiere handelt. Aus Fotos zu schließen sind es eher ‚veredelte
Karakachan‘. Wie im Ostblock üblich, hatten die Institute u.a. den Auftrag,
Primitivrassen zu veredeln, was bei Schafen oft geschah, um begehrte
Qualitätswolle nicht auf dem Weltmarkt kaufen zu müssen. Bekannt sind die
Walachen - und Schumava - Schafe in der ehemaligen CSFR, bei denen die
veredelten Typen der Institute (improved Valachian bzw. Sumavka) nach der Wende
(leider) verschwanden, die spärlichen Originaltypen von Pro Specie Rara aber
(u.a. mit Hilfe des Schweizer Nationalfonds) erhalten werden konnten. Mit „DNA
- Analysen und Wollproben mit Vergleich im staatlichen Wollarchiv (dort sind
2000 alte Proben archiviert), wäre im Fall der Karakachan - Schafe Klarheit zu
schaffen.“
Die
Beteiligung ist wirklich vielfältig, so heißt es weiter in diesem Protokoll:
“
... Wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu einer Zusammenarbeit motivieren. Es
muss jedoch die offene Frage hinsichtlich der Reinrassigkeit der Karakachan -
Instituts - Bestände angegangen werden, sonst werden ‚Äpfel und Birnen
vermischt‘. Die schon im Jahre 2000 ... geäußerten Bedenken sollten nicht
beiseite geschoben, sondern gründlich geklärt werden. Die Institutspopulationen
könnten durchaus als ‚veredelte Karakachan‘ weiter gezüchtet werden, damit sie
nicht das gleiche Schicksal wie andere erleben…“
Quelle: Wikipedia
Karakachani?
Noch mal zur Erinnerung,
wenn es an die Frage geht, ob der bulgarische Hirtenhund nicht doch Karakachan
heißt, Nicholay Atanassov, der bulgarische Kynologe schreibt:
“ … Unsere Rasse -
Bulgarischer Hirtenhund, bestehe ich exakt auf diesen Namen.“
Warum aber ist er so
sicher, oder andersrum gefragt, warum kann oder soll man auf dem Namen
bulgarischer Hirtenhund bestehen?
Auch für den bulgarischen
Hirtenhund gilt, was fast alle Hirtenhunde des Balkan auszeichnet, sie standen
oder stehen nicht unter dem Einfluss der Türkenherrschaft. Das heißt dann:
Obwohl weite Teile des Balkan von Türken oder Osmanen lange Zeit beherrscht
wurden, hat sich das bis auf wenige Ausnahmen nicht auf die Hirtenhunde
ausgewirkt. Eine der Ausnahmen ist der Begriff Karabash beim Sarplaninac. Den
kennt man aber nur im Kosovo und in Mazedonien.
Wie weit die bulgarische
Sprache von türkischen Einflüssen geprägt ist, vermag ich nicht zu beantworten,
aber ich könnte mir vorstellen, dass dieser Einfluss nicht sehr groß ist. Denn
Bulgarien war lange vor der „Türkenherrschaft“ bereits ein christlich geprägter
und selbstständiger Staat.
Zwar gibt es auch heute
noch einen kleinen Anteil der Bevölkerung, der türkischer Herkunft ist, aber
der verliert immer mehr an Einfluss, genauso, wie andere Minderheiten auch.
Lediglich die Roma kann man in diesem Zusammenhang ausnehmen. Allerdings sind
die Sprachen der Minderheiten mehr oder weniger im Lande anerkannt oder
zugelassen.
Amtssprache ist
Bulgarisch; weitere Landessprachen sind Türkisch, Griechisch, Mazedonisch und
Romani. Während Mazedonisch wegen der sehr engen geschichtlichen Verwandtschaft
in weiten Kreisen eher als Dialekt angesehen wird und zwar gepflegt, aber kaum
unterrichtet wird, gibt es in den Siedlungsgebieten der türkischen Minderheit
oft Türkisch als Schulfach.
Foto: Ludmil Dobrev
Nicholay Atanassov
schrieb:
„ … Das Thema ist sehr kompliziert. Für mich ist das ein
politisches und finanzielles Geschäft mancher Leute.
Du
liegst richtig in der Annahme, dass Bulgarischer Hirtenhund ein
"neuer" Name ist. Aber wir sind Bulgaren. Wir haben seit über 1.300
Jahren Hunde in unserem Land, und diese Hunde kamen her mit den Bulgaren.“
Foto: Ludmil Dobrev
Ein
weiterer, wenn auch indirekter Beweis, dass die Hirtenhunde Bulgariens eine
eigenständige Spezies sind, die dann auch nicht den Namen Karakachan verdient
haben, ist ausgerechnet das so genannte Karakachan Pferd.
Im Gegensatz zu einer ganzen Reihe von
Ursprungsländern, in denen Hirtenhunde eingesetzt werden, benutzt man in
Bulgarien zum Transport aller Habseligkeiten beim Umzug von den
Winterquartieren auf die Sommerweiden eine alte bulgarische Pferderasse, die
heute als Karakachan - Pferd bezeichnet wird und keine Esel.
Aber auch in der Türkei ist die Wanderung mit den
Eseln die übliche Methode, denn man sagt den Eseln nicht nur eine sehr große
Genügsamkeit nach, sondern sie sind auch noch sehr aufmerksam. Das geht so
weit, dass man fast von einer Konkurrenz für die Hirtenhunde sprechen kann.
Diese bulgarischen Pferde sind wesentlich
kleiner, als europäische Rassen und erreichen am Widerrist ca. 130 cm. Sie sind
sehr muskulös, mit stabilen Knochen und die Hufe sind für diese Größe sehr
stark und groß. In Bulgarien gelten sie als sehr ausdauernd und genügsam. Also
gab es Hirtenhunde schon vor den Kakakachani, denn die hätten dann sicher die
Esel mitgebracht.
Und noch ein Indiz, dass gegen den Namen
Karakachan spricht, sind die Schafe. Denn zu den geschützten Haustierrassen in
Bulgarien gehört das so genannte Karakachan - Schaf. Aber gibt es das wirklich?
Wie schon bei den anderen Tieren, z. B. den Pferden, legen die Bulgaren vor Ort
Wert darauf, dass diese Rassen alte bulgarische Haustiere sind und nicht mit
den so genannten Karakachani in das Land kamen. So verhält es sich auch mit
diesen Schafen.
Auch hier ist der Kynologe Nicholay Atanassov
eine gute Adresse, denn er schreibt über sich und seine Ausbildung:
„ … Vor Jahren, als ich im Forschungsinstitut
gearbeitete habe, waren meine Schafe Merinos. Wir haben eine Rasse, die heißt
"Ost - Thrakisches - Merino-Schaf". Das ist die Bulgarische Merino
Rasse. Nur in Wahrheit haben wir jetzt gar nichts. Unsere Landwirtschaft ist
total zerstört. Als ich im Institut gearbeitet habe, hatten wir in Bulgarien
ca. 10.000.000 Schafe. Nun (lt. Statistik) gibt es in Bulgarien ca. 1.200.000 Schafe.
Als
ich im Institut gearbeitet habe, gab es drei Grundrassen von Schafen - Merine
Il de France (für Fleisch) (Anmerkung: in Deutschland heißt das
Merino-Fleischschaf) und das einheimische Stara Zagora Schaf
(für Milch). Nur meine Merino-Herde war 1.200 Schafe groß. Die gleiche
Situation haben wir mit anderen Rassen. Nun sind alle Schafe zusammen im
Institut unter 600 Stück. Soweit ich weiß, ist die Rasse Il de France total am
Boden.“
Diese
Rassen sind in Europa bekannt, beziehungsweise werden auch dort gehalten. Eine
Rasse, die von den Karakachani nach Bulgarien eingeführt wurde, ist in keiner
Quelle zu finden.
Foto: Nikolay Todorov
Schlauer
geworden? Wenigstens ich nicht, denn auch hier denke ich an eine Theorie, die
in vielen ehemaligen Ostblockländern vertreten wurde und die kommt gleich.
Denn
Nicholay Atanassov schreibt dazu:
„ …
Als das kommunistische System zerbrach, kam viel neues Wissen und Fakten in die
Szene. In Bulgarien haben wir einige andere Tierrassen mit dem Namen
"Karakachan". Zum Beispiel - Karakachan Schaf. In Wahrheit ist es das Zackel - Schaf, und wenn Du
Schafhirten aus Griechenland fragst, werden sie Dir sagen, das ist eine
griechische Rasse, aber keine bulgarische, mit Griechischer Herkunft und sein
dortiger Name ist Sarakatsaniko.“
Und
damit wäre diese von mir angesprochene Theorie bestens erklärt, denn es geht
dabei darum, dass zwar alte Rassen benutzt wurden, man diese aber im Sinne der
erwünschten „Wirtschaft“ veränderte auf die dortigen Bedürfnisse. Das übrigens taten
weltweit natürlich auch die Hirten, wenn sie ihre Hunde solange „umstrickten“,
bis sie den Bedürfnissen vor Ort entsprachen.
Nicholay
Atanassov wird mit seiner Meinung bestätigt, denn in einer Übersetzung fand ich
die gleiche Meinung. Dort heißt es, das so genannte Karakchan Schaf wird als
das typischste und ursprünglichste
Wollschafe angesehen. In Bulgarien beschreibt man es als „Tzakel - Schaf“, z. B. Adametz, 1906; Chlebaroff, 1932,
1940; Bogoljubskii, 1959; Savov, 1964; Terec, 1965; Balevska, 1967. Dies wurde
durch die Forschung von Balevska, Petrov (1967) nachgewiesen. Und nach Ansicht
der gleichen Autoren ist dieses Schaf dem europäischen mouflon Ovis musimon am
nächsten, also dem Wildschaf.
In
vielen Quellen wird das Zackelschaf, oder wie es sonst noch heißt, als
grobwolliges und langhaariges (bis 26 Zentimeter lange Haare), grau - schwarz
und braun-schwarz, aber sehr selten weiß gefärbtes Tier beschrieben. Überflüssig zu betonen, diese Rasse ist eine
sehr gesunde und anspruchslose.